35 Jahre Deutsche Einheit - Bautzner Union mit Zeitzeugengesprächen in Schmochtitz
"Wir dürfen nicht vergessen, wie es ist, wenn statt der Demokratie und Menschlichkeit die Diktatur und die Ungerechtigkeit die Rede führen". So mahnte Bautzens ehemaliger Oberbürgermeister Christian Schramm die gut 50 Gäste, die zur Feierstunde der Kreis-CDU anlässlich 35 Jahren Deutscher Einheit in das Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno/Smochčanske kubłanišćo swjateho Bena gekommen waren. Schramm war einer von mehreren Zeitzeugen, die anlässlich dieses wichtigen Tages auf Einladung des Kreisverbandes auf die Deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 zurückblickte. Er berichtete von seinen Erinnerungen an die Entwicklungen in den Monaten bis zur friedlichen Revolution im November 1989 und auf dem Weg zur Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Christian Schramm stellte dabei unter anderem heraus, wie wichtig es damals den frisch gewählten Bautzner Stadträten war, gleich in einer der ersten Ratssitzungen nach der Wiedervereinigung, sich in einer Erklärung bei den Inhaftierten der beiden Stasi-Gefängnisse Bautzen I und Bautzen II für deren erlittenes Leid im Namen ihrer Stadt Bautzen zu entschuldigen.
Auf eine Reise an seine damalige Wirkungsstätte als Pfarrer in Kleinröhrsdorf (bei Radeberg) nahm Pfarrer i. R. Norbert Littig das Publikum in seinem reich mit selbst fotografierten Bildern untermalten Vortrag mit. Er erinnerte dadurch und mittels seinem in Teilen sehr persönlichen Bericht, in welchem Zustand sich die DDR an ihrem Ende nicht nur städtebaulich, sondern vor allen Dingen auch politisch befand. Es gehörte dennoch viel Mut dazu, sich insbesondere nach der DDR-Kommunalwahl im Mai 1989 für Veränderungen in der DDR einzusetzen. Es waren in jener Zeit vor allem auch die Kirchen, die den oppositionell engagierten Menschen den Raum boten, den sie letztlich für den friedlichen Verlauf der Revolution von 1989 nutzen konnten.
Aus einer gänzlich anderen Perspektive erlebte ein damals neun Jahre altes Mädchen die Zeit der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung. Sie lebte nämlich gemeinsam mit ihrer Mutter für mehrere Wochen in der Prager Botschaft und war eine derjenigen, die im Oktober 1989 mit den Zügen durch den Dresdner Hauptbahnhof gen BRD fuhren. Elisabeth Hauswald aus Bautzen trug diese bewegende Geschichte vor. Das kleine Mädchen von damals schildert diese Zeit als eine, die sie einerseits insbesondere für ihre Mutter als schwer und Kräfte zehrend erlebte. Mit den Augen eines jungen Mädchens hingegen war es fast ein Abenteuer, von dem sie später sagte: "Irgendetwas passierte damals und man spürte, es ist der richtige Weg". Und später, als sich der "Ausreise-Nebel" für sie lichtete berichtet sie: "Wir waren wieder voller Elan und ich war voller Neugier".
Den Abschluss der Zeitzeugenberichte bildete die ehemalige DDR-Volkskammer- und spätere Bundestagsabgeordnete für die Region Bautzen, Maria Michalk. "Alle haben sich damals in unserer Fraktion CDU/DA für eine zügige Deutsche Einheit in geordneten Bahnen ausgesprochen - und mit erhobenen Haupt". Und schnell bestand auch Einigkeit über die Frage der Überprüfung auf eine Stasi-Tätigkeit, ergänzt sie. - Das aber ein solcher Prozess, beginnend mit den ersten freien Wahlen zur Volkskammer der DDR und bis zum Beitritt zur Bundesrepublik auch viele Unwägbarkeiten mit sich brachte, verschwieg Maria Michalk dabei keineswegs. "Nur die Allerwenigsten von uns frisch gewählten Volkskammerabgeordneten wussten damals, wie das alles funktioniert. Bis dahin war die Volkskammer ja ein reines Repräsentationsparlament. Plötzlich waren wir ein Arbeitsparlament und hatten rückenblickend betrachtet nur ein kleines Zeitfenster für viele große Aufgaben auf dem Weg zu unserem wieder vereinten Vaterland".
Nachdem Bautzens ehemaliger Landrat Michael Harig mit einem knackigen Schlusswort die vielen unterschiedlichen Eindrücke der Zeitzeugen kurz zusammenfasste, sangen die anwesenden Gäste gemeinsam das Lied der Deutschen und machten sich auf den Heimweg.