Wo die Rente schon mit der Schultüte beginnt
Man sagt ja gerne, man sei so jung, wie man sich fühlt.
In der Bundesgeschäftsstelle unserer CDU Senioren-Union scheint man dieses Motto nun auf ein völlig neues, bürokratisches Level gehoben zu haben. Wer bisher dachte, der immer wieder lohnenswerte Zutritt zum exklusiven Club unserer „Generation 60+“ erfordere zwingend graue Schläfen oder zumindest das Wissen, wie man ein Wählscheibentelefon bedient, wird nun eines Besseren belehrt.
Das aktuelle Aufnahmeformular der Senioren-Union ist nämlich ein wahres Wunderwerk der Inklusion. Während die Vorderseite noch pflichtbewusst nach der CDU-Mitgliedschaft, Anschrift, Beruf, Schuhgröße und dem rüstigen Alter fragt, öffnet die Rückseite das Tor zu einer völlig neuen Welt. Dort finden sich – man glaubt es kaum – Rubriken für Schüler, Studenten, Auszubildende und Arbeitslose.
Früh übt sich, wer ein Senior werden will!
Offenbar hat die Bundesgeschäftsstelle den demografischen Wandel nicht nur verstanden, sondern proaktiv überholt. Warum erst mit 60 beitreten, wenn man schon als Erstklässler die Vorzüge einer gepflegten Diskussionsrunde über die Rentenanpassung oder den Enkeltrick genießen kann? Es hat eine bestechende Logik: Wer heute als Azubi eintritt, hat bis zum tatsächlichen Seniorenalter die Satzung garantiert auswendig gelernt.
Ich sehe sie förmlich vor mir:
* Den Schüler, der zwischen Hausaufgaben und Pausenhof kurz sein Kreuzchen bei der Senioren-Union macht, oder
* die Studentin, die statt zur Erstsemester-Party lieber zum Kaffeeklatsch der Senioren-Union geht – auch wegen der besseren Kekse.
Ein Formular für alle Lebenslagen? Man könnte den Verantwortlichen einen „Copy-Paste-Fehler“ aus dem allgemeinen CDU-Mitgliedsantrag unterstellen. Aber das wäre zu einfach. Wir bevorzugen die Theorie, dass unsere Senioren-Union schlichtweg ihrer Zeit wieder einmal voraus ist. In einer Welt, in der alles „agil“ und „flexibel“, "frisch" und "pfiffig" sein muss, ist das Alter eben nur noch eine unverbindliche Empfehlung auf der Rückseite eines DIN-A4-Blattes, ferner jeder Diskriminierung.
Wir nehmen es mit Humor: Wer über sich selbst lachen kann, hat ohnehin schon gewonnen. Und mal ehrlich: Ein bisschen frischer Wind durch 17-jährige „Senioren“ hat noch keinem Verband geschadet. Wir warten eigentlich nur noch auf die Rubrik „Krabbelgruppe“ im Beitrittsformular, damit die Nachwuchsförderung endlich lückenlos funktioniert.
Herzlich willkommen also an alle Azubis in unseren Reihen – wir hoffen, ihr bringt eure eigenen Heizdecken mit! Und ihr werdet es - versprochen! - nicht bereuen. Lang lebe die Senioren Union unserer CDU!