Mit einer Fahrt in den Sächsischen Landtag starteten die Mitglieder der Senioren Union Bautzen in das letzte Drittel des Jahres 2026. Die Visite galt dem dienstältesten Mitglied des obersten Parlament im Freistaat Marko Schiemann. Der Bautzen-Budyšin und der gesamte Oberlausitz seit 1990 eine Stimme gibt.
Obwohl grundsätzlich jedermann den Sächsischen Landtag unangemeldet besuchen und nach Belieben das Geschehen im Plenarsaal verfolgen kann, nutzten im September außerordentlich viele Frauen und Männer die Chance sich der Senioren Union anzuschließen, um auf diese komfortable Art und Weise, einmal hinter die Kulissen des Landesparlamentes zu blicken, das zu fragen, was schon lange unter den Nägeln brannte oder einen Blick auf einen Polit-Promi zu werfen, den man sonst nur aus dem „Sachsenspiegel“ oder der Zeitung kennt. Um es vorwegzunehmen, alle kamen auf ihre Kosten.
Die Fahrt in die Landeshauptstadt verlief dank Busfahrerin Ramona und Lassak-Reisen schon einmal Problem- und staufrei. Ebenso das passieren der Sicherheitsschleuse und der Abgleich der gemeldeten Besucher. Es folgte eine kurze Einweisung durch den Besucherdienst zu allgemeinen Fragen des Parlamentes und der Geschichte des Hauses sowie zu Verhaltensregeln auf der Besuchertribüne…
… und schon saßen wir erwartungsvoll auf eben dieser. In der einen Hand die aktuelle Sitzordnung des 8. Sächsischen Landtages, dessen 120 Mitglieder sich bekanntlich aus 41 CDU-, 40 AfD-, 15 BSW-, 10SPD-, 7BündnisGrüne-, 6DIE LINKE- Abgeordneten, die jeweils eine Fraktion bilden und einen fraktionslosen Abgeordneten zusammen setzt. In der anderen Hand dann einen Auszug aus der Tagesordnung, um zu wissen, wo man sich gerade in der Debatte befand „Erfolg durch Entscheidung - Naturschutz mit Anpassung, Ausgleich und Augenmaß“ stand da zu lesen. Das Ganze eine Fachregierungserklärung von Georg-Ludwig von Breitenbuch, dem aktuellen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, zu der wir die Statements der Fraktionen hören durften oder wohl eher mussten, weil es der Zeitplan so wollte. Wie nicht anders zu erwarten fand die Regierungskoalition in Gestalt von CDU und SPD die Ausführungen gut und hin und wieder einen Beifall wert, wogegen die Redebeiträge von Den Linken und Bündnis Grünen, letzter von Breitenbuchs Vorgänger Wolfram Günther, an der Regierungserklärung kaum etwas Positives fanden.
Und schon waren auch die 45 Minuten Parlamentsdiskussion Geschichte.
Zeit für eine erste Fragerunde mit dem Besucherdienst.
… und die begann dann auch mit der Frage aller Fragen: warum denn so viele Plätze im Plenarsaal leer gewesen sein und sich die, die anwesend waren, mit sonst etwas beschäftigten und nicht der Debatte folgten? Richtig beobachtet. Die eigentliche Arbeit des Landesparlament erfolgt in den Arbeitskreisen, wo die Vertreter der Fraktionen ihre Meinungen und Standpunkte einbringen und diskutieren. Bis zu der Frage, wer dazu im Parlament spricht. Apropos „spricht“, dazu die Frage der Redezeit der einzelnen Abgeordneten, um den zeitlichen Ablauf der Diskussionen zu planen. Die Redezeit ist in der Geschäftsordnung festgelegt. Deren Einhaltung wird vom Landtagspräsidenten überwacht. Sie richtet sich nach der Fraktionsstärke, werden wir aufgeklärt. So sind beispielsweise für CDU und AfD für ein Tagesordnungspaket 60 Minuten veranschlagt, während sich fraktionslose Abgeordnete mit 7 bis 12 Minuten Redezeit begnügen müssen. Wie diese Zeiten dann genutzt, bzw. aufgeteilt werden, bleibt den Fraktionen überlassen.
Noch einmal zurück zu den zahlreichen leeren Stühlen. Ein weiterer Grund dafür ist auch die Tatsache, dass sich die Abgeordneten während der Plenarsitzungen natürlich auch um die Besuchergruppen aus ihren Wahlkreis kümmern. So wie wir unseren Abgeordneten „Marko Schiemann“ für etwa eine Stunde „in Beschlag“ nahmen, mit der Konsequenz, dass während dieser Zeit sein Platz leer blieb, passiert es an Plenartagen angesichts der nicht abreißenden Besucherschlange dutzenden Abgeordneten. Es sei denn, eine Abstimmung steht ins Haus oder sie stehen auf der Rednerliste, dann befinden sie sich im Plenarsaal.
Ein weiterer Besucher wollte wissen, wo und wie er sich über bestimmte Regierungserklärungen, Diskussionsbeiträge, Berichte, Anfragen an die Staatsregierung und deren Antworten und was sonst noch so im Parlament gesprochen wurde informieren kann. Hier hilft das elektronische Verwaltungssystem der parlamentarischen Dokumente im Sächsischen Landtag „EDAS“ weiter. Darin sind die Redebeiträge in schriftlicher Form nach Wahlperioden und Rednern und, und, und geordnet archiviert und für jedermann einzusehen.
Erneuter Ortswechsel
… dieses Mal in den Raum A600, den CDU-Fraktions-Sitzungssaal in die 6. Etage. Der Besucherdienst schickt uns aber in einen anderen Raum, wo sich Staatsministerin Prof. Constanze Geiert gerade mit zwei Personen berät. Das Trio beugt sich unserer zahlenmäßigen Überlegenheit und überlässt uns den Raum. Kaum haben wir Platz genommen, kommt die Meldung, dass wir falsch seien. Alles auf, in den Fahrstuhl und hinauf in die 6. Etage, wo uns Marko Schiemann mit Kaffee, selbst gebackenen Kuchen, belegten Brötchen und erfrischenden Getränken bereits erwartet. Endlich etwas zu essen, freuen wir uns. Schließlich sind wir seit 10.30 Uhr unterwegs und jetzt ist Kaffee-Zeit.
Marko Schiemann, freut sich, seine Oberlausitzer Landsleute zu sehen. 30 Oberlausitzer, voll mit emotionalen Eindrücken, freuen sich Marko Schiemann, den einzigen verbliebenen Abgeordneten des Sächsischen Landtages der ersten Stunde, zu treffen. Von Wahlplakaten und öffentlichen Veranstaltungen her kennen ihn alle. Aber so von Angesicht zu Angesicht sind dann auch viele von uns von seiner offenen und herzlichen Art überrascht, wie er über politische Mitbewerber denkt und spricht und wie er sich ein faires parlamentarischen Miteinander zum Wohle der Bürger vorstellt.
In dem für beide Seiten viel zu kurzen Gespräch aus 36 Jahren aktive Arbeit im Sächsischen Landtag geht es dann vor allem um die Sicherung von Arbeitsplätzen in Bautzen-Budyšin und der Oberlausitz Stichwort „Alstom“, dem Ausbau der Bundesautobahn A4 und nicht zuletzt der durchgängigen Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke „Przemyśl-Paris“ wobei Schiemann die letzten zwei Punkte als klare Standortnachteile ansieht. Er berichtet vom Kampf der staatlichen Studienakademien hin zur Dualen Hochschule, den Besonderheiten der Arbeitskräftesituation im Drei-Ländereck „Deutschland-Polen-Tschechien“ und seine Bemühungen, über die Botschafter des östlichen und südlichen Nachbarn, die wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.
Und das war’s dann auch schon. Der informative und emotionale Besuch im parlamentarischen Zentrum unseres Freistaates neigt sich dem Ende entgegen. Den Rest erledigt Ramona und ihr vom Freistaat Sachsen gefördertes Arbeitsgerät. Beide machen, was sie sollen! Sie bringen uns sicher wieder nach Bischofswerda, Göda und Bautzen-Budyšin in die Heimat.
Schön war‘s, sagen alle.
Nachtrag, bzw. Vorankündigung:
Auch im Oktober organisiert die Senioren Union Bautzen wieder für ihre Mitglieder und interessierte Gäste eine spannende Zusammenkunft. So geht es am 14. Oktober 2026, ab 14.00 Uhr in der liebevoll modernisierten Bautzener Gaststätte „Lusatia“, Löbauer Straße 26 wieder auf „Große Fahrt“, wenn uns Gottfried Duda mit auf seine Urlaubsreise(n) nimmt. Lasst euch also überraschen! Für eine leckere Reiseverpflegung sorgt in altgewohnter Weise im neuen Ambiente das Lusatia-Team.