Das Gute liegt so nah!
Mit einem Besuch im Sparkassen Ski- und Wanderareal Sohland/Spree verabschiedeten sich die Mitglieder und Gäste der Senioren Union Bautzen am 9. Juni in ihre traditionelle zweimonatige Sommerpause. Ausnahmsweise bereits am Dienstag und nicht erst am angestammten Mittwoch. Doch dazu später mehr.
16 Seniorinnen und Senioren folgten der Einladung in den Sohlander Ortsteil Tännicht, wo der Skiclub Sohland 1928 sein Domizil hat, welches die Mitglieder gerade für den 100. Geburtstag herausputzen. Günther Rößler und Reiner Schwaar, zwei Vereins-Urgesteine begrüßen die Gäste und nehmen sie mit auf die spannende Reise durch die wechselvollen Jahrzehnte der Vereinsgeschichte, welche das Duo wesentlich mit prägte.
Angefangen hat alles am 28. Oktober 1928 als Mitglieder des ortsansässigen Wandervereins „Alpenveilchen“ den Skiclub gründeten. Mit der rasch wachsenden Mitgliederzahl wurde auch der Wunsch hinsichtlich der Errichtung von Sportanlagen in Gestalt von Sprungschanzen größer. Besser und weiter wollte man springen. Bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung entstand die erste Sprungschanze an „Schreibers Berg“, wie man diese Zipfel des Dorfes damals nannte. Bis zu elf Metern wurden damit erreicht. Weiten, die heute acht- bis neunjährige Kinder springen. 1930 dann eine zweite Schanze an der „Schwarzen Koppe“ für Weiten bis zu 20 Metern. Ein Jahr später ermöglichte der neue Anlaufturm dann Weiten bis zu 35 Meter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Schanze als „Schanze der Freundschaft“ wieder aufgebaut. Eine neue Pionierschanze entstand. Waren während der ersten 30 Vereinsjahren nur in den Wintermonaten Training und Wettkämpfe möglich, begann 1959 mit der Belegung der damaligen „Schanze der Freundschaft“ mit Kunststoffmatten ein neues Zeitalter im Sohlander Tännicht. Skispringen war aber nicht die einzige Wintersportart, die in Sohland ausgeübt wurde. Langlauf, Riesenslalom, Slalom und Abfahrtslauf, Rodeln sowie Kradjöring, bei dem ein Wintersportler mit einem Seil von einem Krad über eine Schneepiste gezogen wurde, waren ebenfalls im Angebot. Von 1969 bis 1972 wurde dann die „Tännichtschanze“ und 1975 die Schülerschanze errichtet. 1981 wurde die Schanzenbaude mit Gaststätte, Clubraum, Übernachtungsplätzen und Sauna eingeweiht. Außerdem entstanden ein Rückhaltebecken für die komplette Beschneiung sowie eine Trainingshalle. Diese Baumaßnahmen führten zu einen Aufschwung im Verein. 1964 wurde er als Nachwuchsstützpunkt in das Leistungssportsystem der DDR eingeordnet. Heute ist der Skiclub Sohland Talent-Punkt des Deutschen Skiverband.
Bis zur politischen Wende wurden die umfangreichen Wartungs- und Instandhaltung-Arbeiten durch regionale Betriebe sichergestellt. Mit der Umstellung auf die Marktwirtschaft brach diese Unterstützung schrittweise weg. Die Anlage drohte zu verfallen. Parallel dazu wurden die Sicherheitsvorschriften für den Kinder- und Jugendsport strenger. Eine Sperrung der in die Jahre gekommenen Schanzen wurde unumgänglich. Dem Verein drohte das „Aus“. Der damalige Vorsitzende des Vereines Günther Rößler musste handeln und holte sich in Gestalt des in den Ruhestand getretenen ehemaligen Betriebsleiters der Oppacher Quellen Reiner Schwaar Hilfe und Unterstützung. Mit Erfolg. Indem Schwaar die Bedeutung des Ski-Areals nicht nur auf den Verein begrenzte, sondern seine überregionale Bedeutung für die Gemeinde, den Landkreis Bautzen und die gesamte Oberlausitz in den Fokus rückte, konnte er eine breite finanzielle und materielle Unterstützung für den Fortbestand des Traditionsvereins mobilisieren.
Von Mai 2015 bis Oktober 2016 wurde das gesamte Areal bei fließender Projektierung und Genehmigungsplanung von Grund auf umgekrempelt. Dazu wurden durch die Vereinsmitglieder und Freunde des Vereins 7.000 Stunden an Eigenleistung erbracht. So wurde in diesem Zeitraum ein Gesamtinvestitionsvolumen von 500.000 Euro und weitere 260.000 Euro bis September 2020 realisiert. Alles ohne die Aufnahme von Krediten. Dafür ausschließlich durch die Unterstützung von regionale, bzw., ortsansässigen Unternehmen und Institutionen oder durch Eigenleistungen. 6.000 Kubikmeter Erdmassen wurden bewegt, 140 Kubikmeter Fertigbeton verarbeitet und 1.200 Meter Elt- und Steuerkabel verlegt. Sie verbergen sich in, bzw. unter den drei zertifizierten Sprungschanzen für den Kinder-, Schüler- und Jugendbereich, der LED- Außenbeleuchtung und dem Flutlicht sowie der elektronischen Anzeigetafel, dem Kinderlift und dem Starthaus.
Gleichermaßen beeindruckend, die Liste der sportlichen Erfolge, die vom Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft Alfred Lebelt, Jahrgang 1919, über den WM-Teilnehmer Lothar Düring, den Sieger der Sieger der Skiflugwoche 1979 Andreas Hille, den Vize-Juniorenweltmeister und Olympiateilnehmer 1994 Falk Schwaar, Anke Schulze- Reschwamm, die an drei (!) Olympischen Spielen teilnahm und den Juniorenweltmeister Ruben Welde bis zur Juniorenweltmeisterin, bzw. Vize-Juniorenweltmeisterin Jenny Nowak, Jahrgang 2002, reicht. Darüberhinaus stehen Anne Häckel als Mitglied der A-Nationalmannschaft im Spezialspringen der Frauen und Arne Hohlfeld als hoffnungsvolles Talent der Nordischen Kombinierten für die Qualität der Ausbildung im Skiclub des Sohlander Tännicht.
Während dem gemeinsamen Kaffee-Trinken mit den Gastgebern Reiner Schwaar und Günther Rößler sowie Helga Tzschirch und Ulla Steinbrich, die zu unserem Erstaunen selbst einmal aktive Wintersportler waren, erfahren wir weiteres Interessantes aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Vereines.
Reiner Schwaar schildert, wie er mit seinem Anliegen um finanzielle und materielle Unterstützung bei Jörg Drews und Hentschke Bau auf großes Verständnis und die Bereitschaft zur Unterstützung der Kinder und Jugendlichen stieß. Wir erfuhren, dass auch heute noch die finanzielle Unterstützung notwendig ist. „Um allen interessierten Kindern den Zugang zum Skisport zu ermöglichen, bekommen die aktuell 40 bis 50 Kinder ihre 1.500 bis 2.000 Euro teure Ausrüstung gegen eine geringe Jahresgebühr gestellt“, klärt uns Reiner Schwaar auf.
Auch wie wir „Otto-Normalverbraucher“ vom Engagement der Sohlander Ski-Sportler profitieren können, erfahren wir bei Kaffee und Pflaumenkuchen. Ein Skaterplatz ist ganzjährig nutzbar oder der Rodel- und Abfahrtshang, wie er sich im vergangenen Winter großer Beliebtheit erfreute. Auch ist jahreszeitunabhängig die Bezeichnung „Wanderareal“ durchaus wörtlich zu nehmen. Zahlreiche Wanderrouten beginnen und enden hier im Areal. Oder für die, die mit Sport gar nichts am Hut haben, ist da noch der nagelneue Veranstaltungsraum mit unzähligen Zeugen sportlicher Erfolge und einem Gemälde von Erhard Gassan (1930 bis 2005) in der barrierefreien rekonstruierten Mehrzweckhalle. Wir haben sie getestet und für gut befunden. Weiter touristische Highlights sind bis zur Hundertjahrfeier 2028 noch geplant.
Es muss ja nicht gleich ein Sprung von einer der drei Schanzen sein. Damit wird auch der Grund für die Terminverschiebung auf Dienstag gelüftet. Zum Abschluss bekommen wir die Möglichkeit, als Zaungäste das Training der Kinder und Jugendlichen live zu verfolgen. Beeindruckend!
Schauen sie doch schon jetzt einmal vorbei, am Sohlander Sparkassen Ski- und Wanderareal.
Sie wissen ja: „Das Gute liegt so nah“!